Die Bauformen im Überblick
Hörgeräte gibt es in zwei grundlegenden Bauformen:
HdO – Hinter dem Ohr (Behind the Ear, BTE): Das Gehäuse sitzt hinter der Ohrmuschel. Ein Schlauch oder ein dünner Draht leitet den Schall oder die elektrischen Signale in den Gehörgang.
IdO – Im Ohr (In the Ear, ITE): Das Gerät sitzt vollständig im oder am Eingang des Gehörgangs. Es ist kleiner und unauffälliger, aber auch technisch eingeschränkter.
Beide Kategorien haben Untervarianten – die wichtigsten erkläre ich hier.
Hinter-dem-Ohr (HdO und RIC)
Die HdO-Familie ist die häufigste Bauform weltweit. Es gibt zwei Varianten:
Klassisches HdO (BTE) Das Gehäuse hinter dem Ohr enthält alle Bauteile – Mikrofon, Verstärker und Lautsprecher. Der Schall wird über einen Schlauch in einen Ohreinsatz geleitet. Diese Variante ist robuster und eignet sich für stärkere Hörverluste.
RIC / RITE (Receiver in the Canal / Receiver in the Ear) Hier sitzt der Lautsprecher (Receiver) direkt im Gehörgang. Nur das Mikrofon und der Verstärker befinden sich hinter dem Ohr, verbunden durch einen dünnen Draht. RIC-Geräte sind kleiner als klassische HdO-Geräte und werden heute am meisten verkauft.
Bekannte RIC-Modelle: Phonak Audéo, Oticon Real miniRITE, Signia Pure.
Vorteile HdO/RIC:
- Größeres Gehäuse für bessere Akku- oder Batterielaufzeit
- Mehr Rechenleistung für KI-Funktionen
- Einfacher zu bedienen (größere Bedienelemente)
- Gut für mittleren bis starken Hörverlust
- Gut geeignet für Fernanpassung per App
Nachteile HdO/RIC:
- Sichtbarer hinter dem Ohr
- Kann unter Brillengestellen unbequem sein
Im-Ohr (ITE, CIC, IIC)
Im-Ohr-Geräte werden individuell nach einem Abdruck des Gehörgangs gefertigt. Es gibt drei Unterformen nach Größe:
ITE – In the Ear (Im Ohr) Füllt die äußere Ohrmuschel aus. Das größte Im-Ohr-Format. Gut sichtbar, dafür mehr Platz für Technik und Bedienelemente.
CIC – Completely in Canal (Im Gehörgang) Sitzt vollständig im Gehörgang und ist von außen kaum sichtbar. Weniger Technik als ITE, kein Platz für Akku-Ladestation.
IIC – Invisible in Canal (Unsichtbar im Gehörgang) Das kleinste und unsichtbarste Format. Sitzt tief im Gehörgang. Keine externe Bedienung möglich, App-Steuerung eingeschränkt, kürzeste Batterielaufzeit.
Vorteile Im-Ohr:
- Unauffällig bis unsichtbar
- Natürlicheres Richtungshören durch die eigene Ohrmuschel
- Kein Problem mit Brillen
Nachteile Im-Ohr:
- Aufwendige Herstellung (Gehörgangsabdruck nötig)
- Höhere Kosten als vergleichbare HdO-Geräte
- Schlechtere Laufzeit (kleiner Akku oder Batterie)
- Eingeschränkte Bluetooth- und App-Funktionen bei CIC/IIC
- Fernanpassung schwieriger, nicht immer verfügbar
- Nicht für alle Hörverluste geeignet (stark eingeschränkte Verstärkerleistung bei kleinen Formaten)
Direkter Vergleich
| Kriterium | HdO / RIC | Im-Ohr (ITE/CIC/IIC) |
|---|---|---|
| Sichtbarkeit | Hinter dem Ohr sichtbar | Kaum bis unsichtbar |
| Handhabung | Einfacher | Anspruchsvoller |
| Bluetooth / App | Vollständig | Eingeschränkt |
| Akkulaufzeit | Gut (16–24 h) | Kürzer |
| Fernanpassung | Gut geeignet | Eingeschränkt |
| Für starken Hörverlust | Ja | Nur ITE |
| Kosten | Günstiger | Teurer |
| Anpassaufwand | Standard | Höher (Abdruck nötig) |
Preisunterschiede
Im-Ohr-Geräte sind teurer als vergleichbare HdO-Geräte – bei gleicher technischer Ausstattung. Der Grund: individuelle Fertigung nach Gehörgangsabdruck, höherer Produktionsaufwand.
| Format | Preisbereich (Direktanbieter, pro Ohr) |
|---|---|
| RIC / HdO Mittelklasse | ca. 500–1.500 € |
| ITE Mittelklasse | ca. 800–2.000 € |
| CIC / IIC Mittelklasse | ca. 1.200–2.500 € |
Nach Abzug des GKV-Festbetrags (685 € / Ohr). Stand Juni 2026.
Welche Bauform für wen?
HdO / RIC empfiehlt sich für:
- Erstträger – einfachere Handhabung, leichteres Eingewöhnen
- Menschen, die Bluetooth-Streaming und App-Steuerung nutzen möchten
- Stärkerer Hörverlust (mittelschwer bis schwer)
- Wer eine Fernanpassung durch einen Online-Direktakustiker plant
- Wer auf Kosten achtet
Im-Ohr-Geräte empfehlen sich für:
- Menschen, denen Unauffälligkeit sehr wichtig ist
- Brillenträger, die keine Einschränkungen hinter dem Ohr möchten
- Leichter bis mittlerer Hörverlust (für CIC und IIC)
- Wer bereit ist, höhere Kosten und eingeschränkte App-Funktionen zu akzeptieren
Hinweis: Nicht jede Bauform ist für jeden Hörverlust geeignet. Der HNO-Arzt oder Hörakustiker kann auf Basis des Audiogramms einschätzen, welche Formate medizinisch sinnvoll sind.
Nächster Schritt
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Zur ear.direct-Beratung →Häufige Fragen
Welches Hörgerät ist am unauffälligsten? Das IIC (Invisible in Canal) ist die unsichtbarste Bauform – es sitzt so tief im Gehörgang, dass es von außen nicht sichtbar ist. Es eignet sich aber nur für leichten bis mittleren Hörverlust und hat eingeschränkte Funktionen.
Kann ich ein Im-Ohr-Gerät online kaufen? Bei einigen Direktanbietern ja, aber das Angebot ist eingeschränkt. Im-Ohr-Geräte erfordern einen Gehörgangsabdruck, der in der Regel vor Ort beim Akustiker gemacht wird. HdO-Geräte sind für den Online-Direktkauf besser geeignet.
Welche Bauform ist für starken Hörverlust geeignet? Für starken Hörverlust ist ein klassisches HdO oder ein leistungsstarkes RIC-Gerät besser geeignet. Im-Ohr-Geräte haben bauformbedingt weniger Verstärkerleistung.
Kann ich mit einem HdO-Gerät trotzdem Sport treiben? Ja. Viele RIC-Geräte sind schweißresistent und für moderaten Sport geeignet. Es gibt spezielle Modelle mit IP-Zertifizierung für höhere Feuchtigkeitsresistenz.
Brauche ich für Im-Ohr-Geräte einen Abdruck beim Akustiker? Ja. CIC- und IIC-Geräte werden individuell nach einem Abdruck des Gehörgangs gefertigt. ITE-Geräte ebenfalls. Das ist ein Grund, warum Im-Ohr-Geräte aufwendiger und teurer sind.
Welche Bauform empfehlen Direktanbieter? Die meisten Direktanbieter sind auf HdO- und RIC-Geräte spezialisiert, da diese für die Fernanpassung besser geeignet sind. Für Im-Ohr-Geräte ist der Weg zum stationären Akustiker in vielen Fällen sinnvoller.
Fazit
Für die meisten Menschen ist ein RIC-Gerät (Receiver in the Canal) die beste Wahl: kleines Profil, gute Technik, volle App-Funktionen, für Fernanpassung geeignet und günstiger als Im-Ohr-Geräte.
Im-Ohr-Geräte sind dann sinnvoll, wenn Unauffälligkeit das entscheidende Kriterium ist und der Hörverlust nicht zu stark ist.
Alle Direktanbieter im Überblick: Direktanbieter-Vergleich
Christian Fischer
DIREKTHÖREN-Redaktion · Über den Autor